Das Zementwerk Sötenich

Eine Zusammenfassung von Georg May



Das Zementwerkwerk Sötenich wird endgültig geschlossen.

 

Eine Ära geht zu Ende…

 

In Sötenich endet am 30. Juni 2022 eine mehr als 125-jährige Geschichte, die 1895 mit einem Kalkwerk samt Brennerei begann. Bereits 2009 hatten rund 70 Mitarbeiter des Zementwerks ihre Jobs verloren, als der damalige Besitzer, der französische Lafarge-Konzern, die Klinker-Produktion in Sötenich einstellte. Seitdem wurde der Standort als Mahlwerk mit ca. 20 Mitarbeitern betrieben.

 

Rückblick zur Zementindustrie in Sötenich

 

Sötenich liegt am Nordrand der Eifel bei Kall im Kreis Euskirchen. In der Nordeifel finden wir auch die ältesten Schichten des Eifler Gebirges. Schiefer und Kalkstein lagerten sich in der Devonzeit ab. Eine dieser Eifler Kalkfundstätten, die sogen. Sötenicher Kalkmulde diente bereits den Römern zur Herstellung von hervorragendem Kalkmörtel, um damit eine der längsten Wasserleitungen im Imperium Romanum zur Versorgung des antiken Köln mit qualitätsvollem Trinkwasser zu bauen. Ein Teil dieses Römerkanals besteht noch heute gut erhalten auf unserem Werksgelände.

 

Das Jahr 1895 wird als Gründungsdatum für ein Kalkwerk durch Hermann Schulz und das Jahr 1897 für ein weiteres unmittelbar daneben errichtetes Kalkwerk durch Franz Zilkens im Bereich des heutigen Werkes Sötenich genannt.

 

1900 wurde ein drittes Kalkwerk durch Herrmann Schulz mit 6 Schachtöfen im heutigen Werksgelände erbaut.

Beide Werksinhaber verkauften 1911 ihre Betriebe an die „Westdeutschen Kalkwerke AG“ in Köln, die hier, verbunden mit diversen Anlagen-Um- und Neubauten zunächst Bau- und Düngekalk herstellten.

 

1935 begann, nicht zuletzt auch als Folge des erhöhten Zementbedarfs durch den Bau des Westwalls, die Umwandlung zur eigentlichen Zementfabrik. Die alten Schachtöfen wurden zu Zementöfen umgebaut, eine zweite Zementmühle installiert und die Packerei wurde vergrößert.

 

Zur 25-Jahrfeier der Gesellschaft im Jahre 1936 konnte Sötenich die Zementproduktion aufnehmen.

 

Nach der Währungsreform wurde die Produktion von Kalk weiter zurückgefahren und stärker auf die Erzeugung von Zement umgestellt. In den Folgejahren werden die Produktionsanlagen modernisiert und ihre Kapazität gesteigert. 1961 erfolgte die Umstellung auf einen Drehrohrofen mit zunächst 550 t/d.

 

1968 übernahmen die „Rheinisch Westfälischen Kalkwerke“ aus Dornap, die Leitung des Sötenicher Zementwerkes.

 

Die „Rheinischen Kalksteinwerke“ in Wülfrath erwarben im Jahre 1969 das Sötenicher Zementwerk, welches 1976 in die neu gegründete Tochtergesellschaft „Wülfrather Zementwerke GmbH“ überging.

 

Im Oktober 1998 wurde das Werk Sötenich dann von der weltweit tätigen Lafarge-Gruppe übernommen.

 

Ab der Mitte des Jahres 1992 wurde das Werk aus dem aufgeschlossenen Steinbruch Taubenberg mit dem entsprechenden Kalkgestein versorgt.

 

 

Daten und Fakten

 

Kalkbrennerei seit dem Mittelalter im Wachtbergbruch

 

1895 Schulz erwirbt Gelände und baut ein Kalkwerk westlich der Urft mit dem Steinbruch "Scheid's Graben".

 

1897 Zilkens baut ein Kalkwerk im Wilhelmsthal mit dem Trichterbruch.

 

1900 Schulz baut 6 Schachtöfen an der L 204

 

1911 Schulz und Zilkens verkaufen an die “Westdeutsche Kalkwerke AG”, Köln.

 

1921 Zwei gemauerte Kalkschachtöfen werden gebaut.

 

1928 Ausbau des Werkes mit drei Stahlmantelöfen, Löschkalksilos und Kalkmühlen.

 

1936 Umbau zum Zementwerk. Rohmehlerzeugung mit einer Löschmühle. Namensänderung in: "Westdeutsche Kalk- und Portlandzementwerke Köln"

 

1952 Bau einer Schlacketrocknung

 

1952 Bau eines Hazemag-Prallbrechers und einer Krupp-Rohmühle.

 

1953 Fertigstellung der Esch-Sichtermühle (Zementmühle), Richtfest Gefolgschaftshaus

 

Mitte der 50er Jahre: Kalkproduktion wird ganz eingestellt

 

1957 Bau einer 25 t - Zementmühle

 

1960/61 Bau einer Humboltd-Rohmühle, Homogenisieranlage, Drehrohrofen (550 t / Tag), Klinkerhalle und E-Filter

 

1965 Beginn im Steinbruch Keldenich

 

1966 Bau einer 40 t - Zementmühle

 

1968 Bau der Bunkeranlage für Sand- und Kiesabbrand.

 

Auflösung der Firma: "Westdeutsche Kalk- und Portlandzementwerke"

 

1969 Kauf durch die Rheinkalk GmbH in Wülfrath

 

1972 Bau eines Verdampfungskühlers

 

1973 Bau eines Drallschichtfilters und Neubau Labor

 

1976 Gründung der Westdeutschen Zementwerke WZW

 

1979 Einsatz von Braunkohlenstaub

 

1981 100% Braunkohlestaub

 

1982 Erweiterung der Klinkerkapazität auf 950 Dato. Versandabwicklung über EDV.

 

1983 Trockenanlage: Umstellung von Oel- auf Braunkohlestaub-Feuerung

 

1984 Klinker-Verladesilo errichtet

 

1986 Neue Verladehalle in Betrieb genommen.

 

1991 1. Spatenstich am Steinbruch Taubenberg

 

1992 Förderbeginn vom Steinbruch Taubenberg

 

1992 Letzter LKW vom Steinbruch Keldenich

 

1.03.1995 Verkauf der ersten 25 kg-Zementsäcke (bis dahin 50 kg)

 

1997 Thyssen verkauft RKW (75% Tochter von Thyssen) (und somit auch WZW=100% Tochter von RKW) an das belgische Kalk-Familienunternehmen Lhoist

 

Mai 1998 Lhoist veräußert WZW an Readymix

 

September 1998 Readymix veräußert das Werk Sötenich an Lafarge

 

30.09.1998 lt. Gewerbeanmeldung 1. “Lafarge”-Produktionstag“

 

30.08.1999 letzter Sackversand aus Werk Sötenich, damit Einstellung jeglicher Sackware.

 

2009 Lafarge veräußert das Zementwerk Sötenich an die Opterra GmbH, eine Tochter des weltweit agierenden CRH-Konzerns , die das ehemalige Zementwerk als Mahlwerk weiter betreibt und am 30. Juni 2022 endgültig schließt.